FIB-REM: Ein vollständiger Leitfaden für Anfänger zur hochauflösenden 3D-Materialbildgebung

Warum FIB-REM heute wichtig ist

Das Verständnis der inneren Struktur von Materialien im Mikro- und Nanobereich ist unerlässlich, um das Verhalten dieser Materialien im Makrobereich vorherzusagen. Merkmale wie Poren, Risse, Körner, Fasern und unterschiedliche Materialphasen beeinflussen direkt Eigenschaften wie Festigkeit, Leitfähigkeit, Durchlässigkeit, Lebensdauer und Filterleistung.

Aus diesem Grund setzen viele Branchen auf hochauflösende Bildgebungstechniken, um ihre Materialien besser zu verstehen. Batterieentwickler analysieren die Porosität von Elektroden, Filtrationsexperten untersuchen Fasernetzwerke, Geowissenschaftler erforschen Porenwege in Gesteinen und Biologen betrachten komplexe biologische Gewebe und deren Anordnung auf zellulärer Ebene.

Die Beobachtung und Analyse von Strukturen in solch kleinen Maßstäben ist jedoch eine Herausforderung. Herkömmliche Mikroskope verfügen oft nicht über eine ausreichend hohe Auflösung. Die Rasterelektronenmikroskopie (REM) ist ein leistungsstarkes Bildgebungsverfahren, das häufig für diesen Zweck eingesetzt wird – zur Abbildung und Analyse von Materialien im Nanobereich. Allerdings liefert die REM nur zweidimensionale Bilder und kann die tatsächliche dreidimensionale Struktur von Materialien nicht erfassen. Hier kommt die FIB-REM (Fokussierter Ionenstrahl – Rasterelektronenmikroskopie) als leistungsstarkes 3D-Bildgebungsverfahren zum Einsatz.


Was ist FIB-REM?

FIB-REM vereint zwei hochmoderne Instrumente in einem System:

Fokussierter Ionenstrahl (FIB): Verwendet Ionen, um winzige Materialschichten präzise zu fräsen oder zu entfernen.

Rasterelektronenmikroskop (REM): Verwendet Elektronen, um die frisch freigelegte Oberfläche abzutasten und hochauflösende Bilder zu erzeugen.

Einfach erklärt:
FIB-REM funktioniert wie das Schneiden eines Materials in extrem dünne Scheiben – jede Scheibe ist nur wenige Nanometer dick – und das gleichzeitige Fotografieren jeder neuen Oberfläche. Diese Bilder können später zu einem 3D-Datensatz zusammengefügt werden.

Wichtige Vorteile

  • Extrem hohe räumliche Auflösung (bis zu wenigen Nanometern)
  • Möglichkeit, bestimmte Bereiche von Interesse gezielt zu untersuchen
  • Hoher Kontrast für verschiedene Phasen und Materialien
  • Ermöglicht echte 3D-Rekonstruktion durch serielle Schnitte

REM wird täglich in Forschungslabors weltweit eingesetzt, da es Details zeigt, die mit den meisten anderen Bildgebungsverfahren einfach nicht zu erreichen sind. FIB-REM erweitert dies auf die dritte Dimension und liefert echte 3D-Bilddaten im Nanobereich.


Wie funktioniert FIB-REM?

Obwohl die Systeme variieren, ist der allgemeine Arbeitsablauf wie folgt:

Schritt 1: Probenvorbereitung

Das Material wird zugeschnitten, auf einen Stummel montiert und in ein Vakuum gebracht.

Schritt 2: Ionenstrahlfräsen

Eine sehr dünne Materialschicht (typischerweise 5–50 nm) wird mit hoher Präzision entfernt.

Schritt 3: REM-Bildgebung

Das REM scannt die freiliegende Oberfläche und erzeugt ein detailliertes Graustufenbild.

Schritt 4: Serielles Slicing und Imaging

Dieser Zyklus wiederholt sich hunderte oder tausende Male, um das gesamte 3D-Volumen von Interesse zu erfassen.

Schritt 5: 3D-Rekonstruktion

Die 2D-Schnitte werden ausgerichtet und gestapelt, um eine hochauflösende 3D-Darstellung der Mikrostruktur zu erstellen.

Einfach ausgedrückt:
Es ist, als würde man ein Material Schicht für Schicht abtragen und nach jedem Abtragen ein Foto machen.


Wie sehen FIB-REM-Bilder aus?

Interpretation des Graustufenkontrasts

FIB-REM-Bilder werden in Graustufen dargestellt. Verschiedene Materialien und Phasen weisen unterschiedliche Helligkeitsstufen auf:

  • Hell: schwerere oder dichtere Materialien
  • Dunkel: Poren, Hohlräume, Bereiche mit geringer Dichte
  • Zwischenfarbtöne: unterschiedliche Materialphasen

Gemeinsame Merkmale von FIB-REM

Typische Merkmale, die in FIB-REM-Bildern sichtbar sind, umfassen:

  • Poren und Porennetzwerke
  • Kornstrukturen in Metallen
  • Phasengrenzen in Verbundwerkstoffen
  • Partikelnetzwerke in Batterieelektroden
  • Risse, Einschlüsse und Defekte

Wert von 3D-Rekonstruktionen

3D-Rekonstruktionen zeigen, wie diese Merkmale miteinander verbunden sind, sich überschneiden und das Materialverhalten beeinflussen.


Varianten von FIB-REM-Systemen

Es gibt verschiedene FIB-REM-Technologien, die jeweils für bestimmte Aufgaben optimiert sind:

Gallium FIB

  • Standardauswahl in den meisten Labors
  • Hohe Präzision, ideal für detaillierte kleine Volumina

Plasma FIB (Xe-FIB)

  • Deutlich schnelleres Fräsen
  • Ideal für größere 3D-Volumen

Cryo-FIB

  • Wird für temperaturempfindliche oder strahlungsempfindliche Materialien verwendet
  • Reduziert Schäden und bewahrt native Strukturen

Multi-beam and high-current systems

  • Durchsatz erhöhen
  • Nützlich, wenn viele Scheiben schnell benötigt werden

Einfach erklärt:
Einige Systeme schneiden langsam, aber sehr präzise; andere schneiden schneller, wenn größere Mengen benötigt werden.


Alternative 3D-Bildgebungsverfahren im Zusammenhang mit FIB-REM

FIB-REM ist zwar eines der am häufigsten verwendeten Werkzeuge für die 3D-Bildgebung im Nanobereich, aber es ist nicht die einzige Technik, mit der sich Volumen aus Serienschnitten rekonstruieren lassen. Es gibt mehrere ergänzende Methoden, die jeweils ihre eigenen Stärken und Grenzen haben. Das Verständnis dieser verwandten Techniken hilft Forschern und Ingenieuren dabei, das richtige Werkzeug für ihr Material und ihre Forschungsfrage auszuwählen.

Serien-Schnitt-REM (mechanisch oder laserbasiert)

Anstatt die Oberfläche mit Ionen zu bearbeiten, werden beim seriellen Schnitt-REM die Schichten mechanisch entfernt (z. B. mit einem Mikrotom, einem Diamantmesser oder einem Laser) und anschließend jede freigelegte Oberfläche mit dem REM abgebildet.

Wichtigste Merkmale:

  • Geeignet für größere Volumina im Vergleich zu FIB-REM
  • Geringeres Risiko von Schäden durch Ionenstrahlen
  • Die Auflösung hängt von der Schnittmethode ab (in der Regel im Mikro- bis Submikrometerbereich)
  • Wird häufig für Polymere, Verbundwerkstoffe und biologische Gewebe verwendet

Einfach ausgedrückt:
Es ist, als würde man das Material mit einem Messer in Scheiben schneiden und jede Scheibe abbilden, anstatt es mit Ionen zu fräsen.

Array-Tomographie

Bei der Array-Tomographie werden mit einem Ultramikrotom ultradünne Schnitte der Probe angefertigt, diese auf einem Substrat gesammelt und anschließend nacheinander mit einem REM oder TEM abgebildet.

Wichtigste Merkmale:

  • Geeignet für empfindliche oder strahlungsempfindliche Proben
  • Ideal für biologische Materialien oder feine Polymernetzwerke
  • Erfordert die sorgfältige Ausrichtung vieler einzelner Schnitte

Einfach ausgedrückt:
Man schneidet Hunderte extrem dünner Scheiben, legt sie wie Karten aus und fotografiert sie einzeln.

Volumen-EM (Multi-Beam oder Serial Block-Face EM)

Die Volumenelektronenmikroskopie bezeichnet eine Familie automatisierter 3D-Bildgebungsverfahren auf Basis der Rasterelektronenmikroskopie (REM):

Serial Block-Face REM (SBF-REM)

Ein Diamantmesser im Inneren des Mikroskops entfernt wiederholt ultradünne Schichten, und das REM bildet die frisch freigelegte Oberfläche ab.

Focused Ion Beam Volume EM

Ein enger Verwandter des FIB-SEM, jedoch für hohen Durchsatz und Automatisierung ausgelegt, oft mit optimierten Detektoren und Scheibenhandhabungssystemen.

Multi-beam REM

Verwendet Dutzende von Strahlen parallel, um große 3D-Datensätze viel schneller zu erfassen.

Wichtigste Merkmale:

  • Hochautomatisiert
  • Größere 3D-Volumina als bei Standard-FIB-REM
  • Hervorragend geeignet für biologische Gewebe, neuronale Schaltkreise und weiche Materialien
  • Auflösung typischerweise zwischen Mikro-CT und FIB-REM

Einfach ausgedrückt:
Volume EM automatisiert Slice-and-Image-Workflows, um große 3D-Datensätze mit minimalem Benutzereingriff zu erstellen.


Häufige Anwendungen von FIB-REM

FIB-REM wird in vielen Bereichen der Wissenschaft und Technik eingesetzt. Einige Beispiele hierfür sind:

Batteriematerialien

  • Elektrodenporosität
  • Partikelrisse
  • Untersuchungen zur Grenzfläche zwischen Feststoff und Elektrolyt

Geologische Proben

  • Porenkonnektivität und Tortuosität
  • Verteilung der Mineralphasen

Metalle und Legierungen

  • Korngrenzen
  • Ausscheidungen und Einschlüsse

Verbundwerkstoffe und Polymere

  • Faserausrichtung
  • Schnittstellenqualität

Filtermedien

  • Fasernetzwerke
  • Porengrößenverteilung

Vor- und Nachteile von FIB-REM

Vorteile

  • Auflösung im Nanometerbereich
  • Echte 3D-Strukturinformationen
  • Phasen- und Materialkontrast
  • Fähigkeit, bestimmte mikrostrukturelle Merkmale anzusteuern

Nachteile

  • Begrenztes Probenvolumen
  • Lange Erfassungszeiten
  • Mögliche Beschädigung durch Ionenstrahl
  • Erfordert sorgfältige Probenvorbereitung
  • Erfordert Vakuum

Typische Herausforderungen für Benutzer

Viele FIB-REM-Anwender stoßen auf ähnliche Hindernisse – insbesondere bei der Arbeit mit 3D-Daten:

  • Die Bildausrichtung/-registrierung von Schnitt zu Schnitt kann schwierig sein.
  • Die manuelle Segmentierung ist sehr zeitaufwendig.
  • Rauschen und Artefakte erschweren die Quantifizierung.
  • Große Datensätze sind schwer zu handhaben.
  • Die Verbindung zwischen Struktur und Materialleistung ist nicht einfach.
  • Die Extraktion von Größen (Porosität, Korngröße, Tortuosität usw.) erfordert zusätzliche Softwaretools.
  • Der Vergleich von Datensätzen über verschiedene Proben hinweg ist schwierig.

Diese Herausforderungen sind völlig normal. Die meisten Labore führen qualitative oder semiquantitative Analysen mit Standardwerkzeugen durch – und das ist völlig legitim.


FIB-REM-Bilder in quantitative Erkenntnisse umwandeln

Sobald ein FIB-REM-Datensatz in 3D rekonstruiert (und visualisiert!) wurde, besteht der nächste Schritt – falls erforderlich – darin, messbare, materialrelevante Parameter aus der Struktur zu extrahieren. Diese quantitativen Messwerte helfen Forschern zu verstehen, wie mikrostrukturelle Merkmale das makroskopische Verhalten beeinflussen.

Zu den gängigen Quantifizierungs- und Analyseoptionen gehören:

✔ Phase Quantifizierung

Bestimmung der Volumenanteile verschiedener Materialien oder Phasen in der Probe.
Beispiel: Menge an aktivem Material im Vergleich zu Bindemittel und Porenraum in einer Batterieelektrode.

✔ Porenstrukturanalyse

Berechnung von Werten wie:

  • Porengrößenverteilung
  • Spezifische Oberfläche
  • Porenvolumenanteile
  • Porenkonnektivität

Nützlich für: Filtermedien, Steine, Membranen, Schaumstoffe.

✔ Korn- und Partikelstatistik

Extrahieren von Messwerten für Feststoffe wie:

  • Korngröße und -form
  • Orientierungsverteilungen
  • Partikelagglomeration
  • Korngrenzenoberflächen

Wichtig in: Metallen, Legierungen, Keramiken, Katalysatoren.

✔ Konnektivitäts- und Pfadanalyse

Bewertung, wie Poren oder Phasen in 3D miteinander verbunden sind. Dazu gehören:

  • Verbundene vs. isolierte Poren
  • Perkolationswege
  • Tortuosität (wie „gewunden” die Transportwege sind)

Entscheidend für: Flüssigkeitsströmung, Ionentransport, Wärme-/Stromleitung.

✔ Faser- und Struktur-Netzwerkanalyse

Für faserige oder netzartige Materialien:

  • Faserdurchmesser
  • Faserausrichtung
  • Netzwerkdichte
  • Knoten- und Verzweigungsstatistik

Wichtig für: Filtermedien, biologische Gewebe, Verbundwerkstoffe.

Warum das wichtig ist

Diese quantitativen Messungen wandeln das FIB-REM-Volumen von einer visuellen Darstellung in eine Reihe von technisch relevanten Parametern um.
Dies ermöglicht:

  • Vergleich von Proben
  • Verfolgung von Änderungen in der Fertigung
  • Validierung von Materialmodellen
  • Vorhersage von leistungsbezogenem Verhalten

Erweiterung des Workflows: Wie GeoDict FIB-REM-Anwender unterstützt

Während viele Forscher und Ingenieure nach der Erstellung und visuellen Überprüfung ihrer FIB-REM-Bilder aufhören, benötigen andere tiefere Einblicke durch fortschrittliche Visualisierung, quantitative Analyse oder sogar Simulation. Hier kommt GeoDict ins Spiel, eine von Math2Market entwickelte vielseitige Software, die alles von der 3D-Visualisierung und -Messung bis hin zur digitalen Materialmodellierung und Eigenschaftsvorhersage unterstützt.

Mit GeoDict können Sie:

  • Importieren Sie 3D-FIB-REM-Datensätze
  • Korrigieren Sie Bildfehlausrichtungen und entfernen Sie Artefakte wie Vorhänge
  • Reinigen, segmentieren und verarbeiten Sie komplexe Strukturen
  • Wenden Sie KI-basierte Segmentierung in anspruchsvollen Datensätzen an
  • Extrahieren Sie quantitative Metriken und Mikrostrukturquantifizierungen wie:
    • Porengrößenverteilungen
    • Volumenanteile
    • Faserdurchmesser
    • Kornstatistik
    • Tortuosität
    • Konnektivität
  • Führen Sie physikbasierte Simulationen durch, wie zum Beispiel:
    • Durchlässigkeit und Durchfluss
    • Diffusion und Leitfähigkeit
    • Mechanische Eigenschaften
    • Filtrationsleistung
  • Erstellen Sie hochpräzise digitale Zwillinge Ihres Materials.
    • Ändern Sie die Parameter des Materials und führen Sie Simulationen durch, um den Einfluss kleiner Materialabweichungen zu untersuchen.
    • Mit diesem Verfahren können Sie viele Materialdesigns digital testen und so Zeit und Geld für physische Prototypen sparen.

Einfach ausgedrückt:
FIB-REM zeigt, wie die Struktur aussieht.
GeoDict hilft Ihnen dabei, ihre Bedeutung zu messen und ihr tatsächliches Verhalten zu simulieren.

Es ermöglicht weitere Untersuchungen von Strukturvariationen, um die optimale Materiallösung für Ihre Anwendung zu finden.


Fazit

FIB-REM ist eine der leistungsstärksten Techniken zur Darstellung der Mikro- und Nanostruktur von Materialien. Sie liefert echte 3D-Einblicke und bietet einen echten Mehrwert in den Bereichen Batterien, Verbundwerkstoffe, Geologie, Filtration, Biologie und vielen anderen Bereichen.

Die meisten Anwender nutzen FIB-REM in erster Linie für die Bildgebung und qualitative Analyse – und schon das allein bringt einen enormen Mehrwert. Wenn ein tieferes quantitatives Verständnis erforderlich ist, können Bildverarbeitungs- und digitale Modellierungswerkzeuge diese Datensätze erweitern, um aussagekräftige technische Parameter zu extrahieren und das Materialverhalten zu simulieren.

Mit GeoDict unterstützt Math2Market diesen Arbeitsablauf, indem es Forschern dabei hilft, ihre FIB-REM-Bilder in hochwertige quantitative Erkenntnisse umzuwandeln – wann immer sie diese benötigen.


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GeoDict Probelizenz


Autor des Artikels

Anton Du Plessis, Ph.D.

ist Director of Business Development, EMEA bei Math2Market.